Hi ihr Lieben
diesen Samstag war es endlich soweit. Mein Skript-Lernerei hatte ein Ende und aus Spass wurde Ernst: Ich wurde zum weissen Padre in der neuesten Filmproduktion von Game1st Quality Productions Ltd.
Freitag Abend erhielt ich die noetigen Utensilien (schwarzes Pastorenhemd mit diesem netten Weissen Rundkragen ("O-Ton: Jan, you've got a very thick neck.")und ein dickes Sacko aus Kashmir) und die Anweisung: " try to look old". Kein Problem, da die Hitze in der Nacht von Freitag auf Samstag so zuschlug, dass ich nicht auf meine gewohnten acht Stunden Schlaf kam.
Aufbruch war um 10 Uhr angesetzt(ok, so viel zum Thema "Steh freuh genug auf, wir wollen frueh starten"), wurde dann aber eher 10:45. Wir fuhren zum Hotel, in dem viele der Filmszenen abgefilmt wurden. Und dann hiess es erst mal warten. Meine Dozentin Claudia war auch mit von der Partie, daher konnten wir mal wieder ein bisschen Deutsch quatschen. Trotzdem war die Zeit von 11 bis 15 Uhr doch recht lange und als wir uns gerade dazu durchgerungen hatten, schnell einen Happen essen zu gehen hiess es " Jan, we are shooting in a few minutes. Eat fast". Also eher runterschligen als geniessen und wieder zurueck, umziehen. Hatte ich vorher noch gedacht, wir wurden dann endlich zur Kirche aufbrechen (die Aussenaufnahmen hatte ich schon am Vortag gesehen), wurde ich wieder eines Besseren belehrt: Wir drehen hier im Hotel. Dazu fuhren wir in den noch halbfertigen 6.ten Stock hoch (das Hotel wurde wohl gerade renoviert) und kamen in einen etwa 40 qm grossen Saal, der als "Kirche" hergerichtet worden war. Die Rigips-Waende samt Spachtelmasse und die herausragenden Elektrodraehte waren trotzdem zu sehen, aber das schien ausser mir keinen zu stoeren. Was aber fuer alle gleichermassen zur Qual wurde> Es gab keine Klimaanlage!!! Und das direkt unterm Dach, alle in Festmontur wie bei einer richtigen Hochzeit, grosse tehaterscheinwerfer fuer das Licht, alle Fenster zu wegen dem Laerm und dann 35 Grad im Schatten, bei schlechter Luft, weil Baustaub : einfach geil. Dementsprechend musste mir auch alle fuenf Minuten der Schweiss aus dem Gesicht gewischt werden und die beschlagene Brille war auch etwas hinderlich.
Anfangs erst einmal Trockenuebung, letzte Einweisungen vom Regisseur und dann gings los. Meinen Text hatte ich einigermassen parat und da ich ja eine Traupredigte simulieren sollte, durfte ich auch ablesen . Ich haette es aber auch so geschafft, worauf ich schon stolz bin, wenn ich bedenke, dass mein Monolog fast eine DIN A4 Seite auf Kiswahili war!
Das Auswendiglernen zahlte sich dann auch bei den unzaehligen Wiederholungen aus: Einmal wurde nur ich gefilmt im Close-Up, dann zusammen mit dem brautpaar, dann nur mit Braeutigam, nur mit Braut, die Eltern links, die Eltern rechts, von vorne , von hinten. Der Raum war zu klein, um beide Kameras aufzubauen, daher noch ein paar mehr Wiederholungen und dann natuerlich diverse Versprecher etc. Irgendwann um 17 Uhr dann die erste kurze pause fuer mich, die ich aber leider im Stehen zubringen musste. Ich schwarzen Anzug in den Baustaub setzen kommt nicht so gut ;-)
Richtig Ende war fuer mich dann um etwa 22 Uhr. Raus aus den verschwitzten dicken Klamotten und rein in Jeans und T-Shirt und erstmal ne Cola abpumpen :-) Danach wurde dann noch eine andere Szene gespielt, wo ich jedoch einfach nur zuschauen und die frische Luft (weil darussen) geniessen konnte.
Abends waren meine Koerperakkus dann so leer, dass ich nur noch ins Bett gefallen und auch trotz zureden der Koechin und der Gastmutter keine Nahrungsaufnahme moeglich war: der Nahrungstrakt hatte bei mir schon Feierabend gemacht. Und so schlief ich dann total erschoepft ein, das erste Mal, dass ich hier trotz Hitze sofort schlafen konnte.
An neachsten Tag meinte dann mein Regisseur und Gastvater: "This morning I watched the material from yesterday. You realy managed to look older than you are, well done." Ist wohl auch das erste Mal, dass ich dafuer gelobt wurde, fertig auszusehen. :-)
Mein Fazit: respekt, Respekt, Respekt. Das Filme drehen harte Arbeit ist, war mir klar. Koerperliche Anspannung und Vernachlaessigung der eigenen Beduerfnisse sind auch wichtige Eigenschaften. Richtig Krass war aber die volle Anspannung und Anwesenheit ueber mehrere Stunden hinweg, dauernd mitdenken ("wo hatte ich meine hand bei der ltzten Szene? War meine Bibel offen oder schon geschlossen?") und beim Stichwort "Action" bereit und voll konzentriert zu sein. Hut ab vor allen Schauspielern.
PS: Was ich vergass: Es gab natuerlich noch den obligatorischen Stromausfall, ein SCheinwerfer fiel um und musste schnell repariert werden, drei Stuehle brachen unter lautem Getoese unter den diversen Hochzeitsgaesten zusammen (selbstverstaendlich waehrend die Kamera lief und natuerlich immer genau dann, wenn gerade alles gespasst hatte) und meine Schulterverspannung vom langen Stehen spuere ich jetzt noch.
Lieber Gruss aus Dar es Salaam
Euer JC